Tore wie am Fließband – und alle wunderschön: Die Löwinnen sind nach 9:0 erster Tabellenführer

 

Fünfmal Inka Grings: Fußballerin des Jahres führt wieder dieTorjägerliste an

Duisburg (zi-). Der Start in die Bundesliga-Saison 2010/11 ist dem FCR 2001 Duisburg perfekt gelungen. Gegen die sichtlich überfordertne, ab und an überharten Aufsteigerinnen von Bayer Leverkusen gelang ein standesgemäßer 9:0 (4:0)-Sieg. Vor beachtlichen 1220 Zuschauern waren die Löwinnen auch ohne die verletzten Stammspielerinnen Krahn, Bresonik und Hegering in allen Belangen überlegen und gewannen hoch verdient: Der FCR 2001 grüßt als erster Tabellenführer der Frauen-Bundesliga!
Hoch verdient waren selbstverständlich auch die Ehrungen vor dem Spiel: So gab es einen schönen Blumenstrauß und ein Geschenk von Trikotsponsor Sparkasse Duisburg für die Weltmeisterinnen Alexandra Popp, Marina Hegering, Turid Knaak sowie Marith Prießen (Leverkusen); und Inka Grings wurde von Hannelore Ratzeburg, der Vizepräsidentin des DFB, und von Jörg Jacob, dem stellvertretenden Chefredakteur des kicker, mit der Torjägerkanone für die Saison 2009/ 2010 ausgezeichnet. Sicher auch motiviert durch diese Auszeichnung erzielte die FCR-Spielführerin gleich ihre ersten fünf Saisontore, darunter ein lupenreiner Hattrick.

Und auch wenn es zwei Euro ins Phrasenschwein kostet: Dem FCR gelang ein Auftakt nach Maß in diese Saisonpremiere; denn der erste gefährliche Angriff – Alexandra Popp mit schönem Pass nach links auf Simone Laudehr, präzise Flanke in den Strafraum, die Inka Grings passieren lässt und dann ein satter Schuss von Femke Maes ins Glück – brachte schon in der dritten Minute die 1:0-Führung.

Die Löwinnen – erwartungsgemäß mit Wensing und Roelvink in der Zentralverteidigung – bestimmten weiterhin bei immer heftigerem Schnürlregen Tempo und Spielgeschehen; außer einer sehenswerten Kombination van Bonn/Grings (gehalten von Torfrau Schmitz) und einem Abseitstor gab es aber in den ersten 20 Minuten keine gefährlichen Situationen mehr.

Das änderte sich dann aber schlagartig: Nach einer abgewehrten Ecke kann Annemieke Kiesel noch einmal von links flanken – genau auf den Kopf von Popp, die mit einem perfekten Flugkopfball auf 2:0 stellt (24.). Nun gibt es Torchancen im Minutentakt gegen die Bayer-Abwehr, die jetzt unter Dauerdruck steht – einen Doppelschlag (28./29.) aber nicht verhindern kann: Erst spielt Kozue Ando ihre Kapitänin Grings mustergültig frei – und die BL-Torjägerin der vergangenen Jahre erzielt ihr erstes Tor in der neuen Saison; 60 Sekunden später trifft die japanische Nationalspielerin selbst: Nach einer Ecke kann eine Bayer-Verteidigerin erst hinter der Linie klären: 4:0!

Nach der Pause auf immer mehr aufgeweichtem Boden gelang dem FCR 2001 zunächst nicht das gewohnte schnelle Passspiel; doch nach einer Stunde wirbelten die Löwinnen wieder – maßgeblichen Anteil am frischen Wind im Angriffsspiel hatte Turid Knaak, nach 58 Minuten für Ando eingewechselt.

In der 64. Minute spielt sie ihren Käpt’n mustergültig frei, Inka muss nur noch ins leere Tor zum 5:0 einschieben. Zehn Minuten später wieder ein Zuspiel von Knaak, diesmal von links – und Grings gelingt ein Spitzentor: Erst spielt sie überlegt zwei Abwehrspielerinnen aus, dann schiebt sie mit links ganz ruhig ins lange Eck und das halbe Dutzend ist voll.

In der 78. Minute geht das muntere Schiebenschießen weiter. Zunächst ein Standard zum Zunge schnalzen: Freistoß von links Annemieke Kiesel – genau zu Grings, die mit ihrer überlegenen Kopfballtechnik keine Probleme hat, auch den siebten Treffer zu erzielen, dem sie sogar noch das 8:0 folgen ließ: Nach einem Alleingang kommt Torfrau Schmitz zwar noch an den Ball, kann das Tor aber nicht verhindern (82.).

Drei Minuten vor dem Ende dann doch noch eine andere Torschützin beim FCR: Die sehr agile Turid Knaak beweist ihre tolle Schußtechnik und schießt aus 18 Metern ins rechte obere Toreck – unhaltbar.

FCR: Holl; van Bonn ( 58. Himmighofen), Wensing, Roelvink, Popp; Kiesel; Oster (78. London), Maes, Laudehr; Ando (58. Knaak), Grings.

Kommentare der Trainerinnen:

Verständlich, dass Trainerin Martina Voss-Tecklenburg strahlte: „Wir wollten heute ein deutliches Zeichen setzen – auch gegenüber einigen Skeptikern; das ist uns absolut gelungen. Ich freue mich, dass meine Mannschaft 90 Minuten auf Torejagd gegangen ist und nicht nachgelassen hat. Fraglos hat uns die Spielpraxis in Nordirland heute geholfen, direkt ins Spiel zu finden.“

Bayer-Trainerin Doreen Meier machte gar nicht einen so niedergeschlagenen Eindruck: „Als wir den Spielplan sahen, habe ich gesagt: Ok, dann wissen wir gleich nach dem ersten Spiel, wo wir stehen. Und ich sage heute: Willkommen im prallen Leben: Duisburg gehört zur deutschen Spitze, wir waren immer einen Schritt zu spät – und haben leider bei den Standards ganz schlecht ausgesehen. Aber es war eine gute Standortbestimmung.“

Inka Grings hatte schon selbst beim Zählen Schwierigkeiten („Habe ich vier oder fünf Tore geschossen?“), und freute sich dann über die Tabellenführung: „Das war ein Superstart in eine wirklich schwere Saison. Aber unser Ziel ist eindeutig: Wir wollen einen Titel gewinnen!“

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Amateursportfotograf die (aus) Leiden schaft